Manchmal esse ich, weil mein Magen knurrt. Manchmal, weil etwas besonders gut riecht. Und manchmal einfach, weil mir gerade nach etwas Bestimmtem ist.

Früher dachte ich oft, ich müsste genau unterscheiden können: Ist das jetzt echter Hunger oder nur Appetit?

Heute sehe ich das entspannter.

Hunger und Appetit gehören beide zu unserem Leben. Essen hat schliesslich nicht nur die Aufgabe, unseren Körper zu versorgen. Es ist auch Genuss, Erinnerung, Trost, Gemeinschaft und manchmal einfach eine kleine Freude zwischendurch.

Nicht jedes Stück Kuchen braucht eine Rechtfertigung. Und nicht jedes Hungergefühl lässt sich in eine feste Uhrzeit einordnen.

Gleichzeitig merke ich, dass es mir guttut, einen Moment hinzuhören. Habe ich wirklich Hunger? Brauche ich gerade eine richtige Mahlzeit? Würde mir etwas Kleines reichen? Oder wünsche ich mir eigentlich eine Pause, etwas Ruhe oder einfach einen schönen Moment?

Dabei geht es für mich nicht darum, jedes Gefühl zu kontrollieren. Ich möchte meinen Körper nicht ständig prüfen oder bewerten. Ich möchte ihn wieder besser kennenlernen.

Manchmal esse ich und merke erst danach, dass ich etwas anderes gebraucht hätte. Auch das ist kein Fehler. Es ist eine Erfahrung, aus der ich beim nächsten Mal vielleicht etwas mitnehmen kann.

Je weniger streng ich mit mir bin, desto leichter fällt es mir, die feinen Unterschiede wahrzunehmen. Ohne Verbote. Ohne schlechtes Gewissen. Und ohne aus jeder Mahlzeit eine Entscheidung über „richtig“ oder „falsch“ zu machen.